Predigt zu Karfreitag

Der Karfreitag stellt, wie kein anderer Tag, die Frage nach dem Leid: Wie gehen wir mit leidenden Menschen um? Wie gehen wir mit ihren Zweifeln um, auch an Gott? Mit zerbrechenden Gewissheiten, scheiternden Lebensentwürfen und Hoffnungen? Wie reden wir von Gott im Angesicht leidender Menschen? Alle diese Fragen liegen für die Jüngerinnen und Jünger Jesu knallhart auf dem Tisch. Niemand weiß, wie es weiter geht, ob es weiter geht, oder ob die Sache mit Jesus gerade gescheitert ist.
Ein halbes Jahrtausend vor den Ereignissen von Golgatha stellte sich die Frage nach dem Leid auch schon. Auch hier: Gewissheiten und Hoffnungen waren zerbrochen. Juda war besiegt, Jerusalem zerstört. Ist Gott unterlegen? Ist er gescheitert?
In dieser Zeit existentieller Krisen entstand eine Schrift, die wir als das „Trostbuch des Jesaja“ kennen. „Tröstet, tröstet mein Volk“, so beginnt es (Jes 40). Kurz vor dem Ende dieses Trostbuches lesen wir folgendes (Jes 52,13-53,12):

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