Novembergedanken

Eine Andacht für den November zu schreiben ist gar nicht so einfach… Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, was ich so mit dem November verbinde, dem vielleicht, wenn es eine Steigerung für grau gäbe, „grauesten“ Monat des Jahres.

Mir fielen einige Sachen ein: Kfz-Versicherung prüfen, höchste Zeit für Winterreifen, das Auto fit für den Winter machen, Steuererklärung, Garten winterfest machen, Unmengen an Laub und Co. beseitigen, die Gräber auf dem Friedhof mit Reisig abdecken, die Wintersachen vom Boden holen und entstauben, neue Wintersachen für die Kinder kaufen, schauen ob die Heizung überall funktioniert, Öl und Gas prüfen, vielleicht nochmal Holz machen, Erkältungsmedikamente besorgen, Grippeschutzimpfung, erste Geschenkideen für Weihnachten bewegen und schnell aufschreiben, Adventskalender, die Schule ruckt nochmal richtig an, Weihnachtskonzerte vorbereiten, Weihnachtsschmuck prüfen und startklar machen usw….euch fallen bestimmt noch viele eigene Sachen ein.

Hm…viele Sachen sind dabei, die wir einfach so erledigen müssen und was halt sein muss.

Dann dachte ich noch einmal an die Natur…alles wird langsam trist und grau. Nach dem Farbenspiel und der Vielfalt im goldenen Oktober weichen die letzten Blätter den nasskalten Herbststürmen, die Natur kommt zur Ruhe. Alles wird irgendwie langsam still.

Das Bild, was ich gerade in den ersten Zeilen gemalt habe, ist kein sehr aufmunterndes, oder?

Der November ist irgendwie so ein Monat zwischen allem Schönen – so kommt es uns manchmal vor – zwischen der Farbenpracht des Herbstes und dann dem Lichtermeer in der Adventszeit. Der November ist auch im Kirchenjahr nicht der fröhlichste Monat mit Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Ewigkeitssonntag… Was bleibt also?

Ich glaube, dass gerade der November für uns ein sehr bedeutender und wichtiger Monat sein und werden kann. So wie Gott es in der Natur eingerichtet hat, dass alles einmal zur Ruhe kommen muss, so ist es auch in unserem Leben wichtig, dass alles etwas zur Ruhe kommt. Vielleicht kann der November für uns ein Monat sein, wo wir einmal ein Stück stiller sind als sonst, wo wir ein Stück mehr Gottes Nähe suchen, ohne von so vielen Sachen abgelenkt zu werden. Wenn Jesus Gemeinschaft mit seinen Vater suchte und besonders Zeit mit ihm verbringen wollte, suchte er immer die Stille – allein auf einem Berg, auf dem Wasser, im Garten…oft auch, um wieder Klarheit zu bekommen und Rücksprache mit seinem Vater, seinem „Abba“, zu halten.

Und das können wir auch gern zuhause machen, vielleicht bei einem Buch, bei unserer Andachtszeit, vielleicht hören wir auch bewusst Predigten an oder Lieder, die unser Herz bewegen, das kann auch ein guter Film sein oder auch mit Tee und Gebäck, vielleicht am Kamin oder Ofen oder auch im Hauskreis oder im Gemeindekreis mit Geschwistern und Freunden. Lasst uns unseren Vater, unseren „Abba“ im Himmel bewusst suchen und fragen und mit ihm und unserem Heiland und dem Heilgen Geist Gemeinschaft haben. Wir brauchen das so nötig für unser Leben, denn „…ohne IHN können wir nichts tun.“

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Johannes 15,5

Lassen wir uns also den November nicht vermiesen, er ist ein wertvoller Monat unserer geschenkten Lebenszeit und lasst uns die Nähe unseres Heilands suchen.

Seid gesegnet und unserem Herrn Jesus anbefohlen.

Herbstzeit ist Wanderzeit

Bei Bergtouren in den Alpen kamen mir immer wieder Vergleiche mit unserem Lebensweg als Christen in den Sinn: wenn wir einen wirklich hohen Berg besteigen wollen, müssen wir gut ausgerüstet sein. Wir müssen planen, wo wir entlang gehen wollen. Gut sind Gefährten, die mit uns gemeinsam die Tour machen. Aber trotz bester Vorbereitung wissen wir nicht, ob die Tour auch wirklich so verlaufen wird, wie wir sie geplant haben. Ist der Weg wirklich gangbar? Hält die Ausrüstung das, was die Werbung versprochen hat? Sind die Gefährten zuverlässig?

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Die Sache mit dem Sommerloch

Jedes Jahr im Sommer werden Nachrichtenagenturen aus aller Welt vor ein Problem gestellt. Es gibt nichts, mit dem sie die Zeitungen und Abendnachrichten füllen können. Viele Politiker befinden sich im Sommerurlaub, weshalb weniger politisch relevante Ereignisse stattfinden. Auch Sportvereine haben in dieser Zeit keine bedeutsamen Spiele oder Wettkämpfe. Diese Zeit wird als Sommerloch bezeichnet. weiterlesen

Tag der Diakonie in Wilkau-Haßlau

Am 23. September ist es wieder so weit – der Tag der Diakonie wird von allen Allianz-Gemeinden in Wilkau-Haßlau ausgestaltet. Aus diesem Grund wollen wir noch einmal mit zwei Rückblicken auf die Anfänge dieser Idee zurück schauen.

Seit 1981 – Tag der Diakonie in Wilkau-Haßlau

Von Uwe Münzner, Gemeindevertreter EmK Kirchberg/Wilkau-Haßlau

Als 1981 das internationale „Jahr der Behinderten“ von den Vereinten Nationen deklariert wurde, begann in vielen Ländern und an vielen Orten das Nachdenken und Öffnen der Augen für Belange dieser benachteiligten Menschen.

Diese behinderten Mitbürger lebten mitten unter uns und doch waren sie für die Mehrheit der Bevölkerung nicht zu sehen. Mehr noch, man hatte ernsthafte Berührungsängste und die betroffenen Familien lebten oft zurückgezogen, fühlten sich stigmatisiert und waren faktisch ausgegrenzt.

Übrigens, in der DDR nannte man diese Menschen „Geschädigte“. Somit wurde in Wilkau-Haßlau dieses Jahr als offizielles „ Jahr des Geschädigten“ begangen.

Aber ganz gleich wie man diese Initiative bezeichnete, im Rückblick der letzten 37 Jahre hat sich sehr viel Positives im Umgang von „Nichtbehinderten“ mit „Behinderten“ und natürlich auch umgekehrt in unserem Land getan.

Ich wurde schon mehrfach gefragt, seit wann und wie kam es dazu, dass sich gerade die Allianzgemeinden in unserer Stadt einen Sonntag im Jahr Zeit für diese Aufgabe nehmen.

Den Anstoß haben die Vereinten Nationen mit der oben beschriebenen Initiative gegeben. Aufgenommen und in unsere Gemeinden getragen wurde dieses Anliegen von verantwortlichen Christen der Stadt, denen diese Menschen aus eigener Erfahrung liebgeworden sind.

Schon vor 1981 gab es in Zwickau in der Bahnhofstraße 8, in den Räumen der „Inneren Mission“, bescheidene Anfänge einer „Behindertenwerkstatt“. Der Begriff Werkstatt wird unserem heutigen Verständnis von solchen Einrichtungen nicht gerecht. Dabei handelte es sich um schlichte Wohnräume in der 1. Etage, ohne behindertengerechten Zugang und Ausstattung. Dort wurden einfache manuelle Tätigkeiten von Behinderten, unter Anleitung von wenigen Engagierten und fachlich Qualifizierten ausgeführt. Der damalige Leiter dieser Werkstatt, Herr Menzel, wurde somit zur Bezugsperson für diese Menschen, zum Initiator und darüber hinaus zum Bindeglied zu uns in Wilkau-Haßlau. Ich kann mich noch gut erinnern, wie er die Mühen beschrieb, die es jeden Tag zu bewältigen galt, um einfach das Transportproblem zu bewältigen. Ebenso war es damals nicht selbstverständlich, dass betroffene Familien ihre Zustimmung dazu gaben, ihr behindertes Familienmitglied tagsüber in eine Förderung und Betreuung abzugeben. Zusätzliche Not bereitete den Engagierten dort die grundsätzliche Finanzierung dieser Arbeit. Eine staatliche Unterstützung gab es nicht.

Im Wissen um diese Nöte wurde der „Tag der Diakonie“ 1981 das erste Mal als Initiative der Christen aus den Allianzgemeinden durchgeführt. Den damals Beteiligten war es besonders wichtig, dass Informationen über die Lebenswirklichkeit von „Behinderten“ in den Gemeinden und der Bevölkerung bekannt wurden. Vorurteile, die, wie ich später merkte, teils noch aus NS Zeiten stammten, galt es abzubauen.

Ganz praktisch schätzte man die persönliche Aufnahme zum Mittagessen in Familien der Gemeinden sehr. Gast sein zu dürfen, gern aufgenommen zu werden, das war man nicht gewohnt.

So wurde mir das in vielen Gesprächen und Kontakten mit Behinderten, die über Jahre kommen und zum Teil heute noch dabei sind, geschildert.

Ebenso war es für die Werkstatt der 80 er Jahre eine existentielle Notwendigkeit, selbst hergestellte Korbwaren, Töpferwaren oder auch andere einfache Handarbeiten auf einem Bazar anzubieten.

Uns Christen aus der Stadt war das gemeinsame Feiern und Gestalten eines Gottesdienstes wertvoll und zentrales Anliegen. Das Evangelium leben, ganz einfach!

Bei mir ganz persönlich haben sich die Berührungsängste völlig abgebaut. Entstanden ist ein respektvoller Umgang, der sich in gegenseitiger Achtung und Wertschätzung niederschlug und in herzlicher menschlicher Nähe jedes Jahr von neuem erlebbar geworden ist.

An dieser Stelle gilt es Danke zusagen. Dank an Menschen, die den Weg treu gegangen sind und natürlich Dank an Gott, der uns den Weg erst gezeigt hat.

Tag der Diakonie, Erinnerungen zu den Anfängen

Von Pfarrer i.R. Klaus Appel

Es war im Jahr 1981, als wir uns in Wilkau-Haßlau in der Michaelis- und Luthergemeinde Gedanken machten, ob wir nicht für einige Behinderte in Wilkau-Haßlau und Umgebung einen Tag der Diakonie gestalten könnten. Wir waren uns schnell einig, dass wir dies wollten und die Methodistenkirche schloss sich dem an. Es ging uns darum, mit behinderten Menschen in Kontakt zu kommen, ihnen als Gemeinde und auch als Einzelne zu begegnen. Denn manche Behinderten waren zu Hause z.T. ein Stück isoliert, manchmal ohne besondere Erwartungen oder Freude. Andere waren, auch als jüngere Menschen, in einem Pflegeheim zwischen 70- und 90-jährigen Menschen untergekommen. Auch da gab es mitunter kaum Abwechslung, dafür das Schlafen in 5-6-Bettzimmern.

Der erste Tag der Diakonie fand nach meiner Erinnerung im Herbst, wohl Anfang Oktober statt. Dazu wurden die Gäste (in der Regel per Auto) zu einem 10-Uhr-Gottesdienst eingeladen. Schon diese Autofahrt war für etliche Gäste ein besonderes Erlebnis (bei der damals so geringen Motorisierung!). Beim Gottesdienst wurden jährlich die Kirchengewechselt. Die Predigt war besonders anschaulich, öfter mit einem Anspiel verbunden. Es bliesen die Posaunen und die Behinderten boten zusammen mit den Mitarbeitern der Diakonie ein Lied. Als ein Höhepunkt folgte, dass die Gäste danach bei Einzelnen, Ehepaaren oder Familien eingeladen waren. Dort wurde ein sehr gutes Essen aufgetischt (natürlich mit Nachtisch!) und ein gesundes Getränk. Manche der Gäste werden selten so einen festlichen Tisch und gute Zuwendung von eigentlich vorher Fremden erlebt haben. Anschließend ergaben sich daraus z.T. Besuche bei den Gästen oder diese wurden mit einem besonderen Gruß zum Geburtstag, zu Ostern oder Weihnachten bedacht.

Nach dem Mittagessen wurde in der Regel in einem Gemeinderaum eine bunte Stunde mit Spielen und Singen gestaltet. Es folgte ein gutes gemeinsames Kaffeetrinken, sei es in Wilkau-Haßlau oder auch mal in Werdau oder Zwickau. Spätestens 17 Uhr ging es für die Gäste dann wieder (meist mit Auto) in die Familienwohnung oder ins Heim zurück. Viele der Gäste fragten dann im nächsten Jahr oft schon drei Monate vorher: Wann werden wir wieder mit dem Auto gefahren? Wann geht’s wieder zum Tag der Diakonie in Wilkau-Haßlau?

Zwei besondere Tage fallen mir noch ein: An einem Diakonietag fuhren wir nach dem Mittagessen in den Tierpark Hirschfeld. Dies wurde mit Staunen und Interesse aufgenommen. Und auch das Kaffeetrinken wurde gleich dort durchgeführt.

In einem späteren Jahr wurde nach dem Mittagessen zum Puppentheater nach Zwickau gefahren. Da gab es eine Vorstellung nur für uns. Dies war für die meisten Gäste der erste Theaterbesuch. Es ist mein großer Wunsch und meine Hoffnung, dass dieser Tag der Diakonie auch weiterhin einmal im Jahr durchgeführt wird. Die Freude und Dankbarkeit der Gäste war für mich stets neu bewegend.