"Wenn Beziehungen zerbrechen" - Gedanken zur Allianzgebetswoche (11.01.16)
Der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie.
Das Erbe verteilen, so lange es dem Senior noch gut geht - das ist doch vernünftig, mögen wir sagen. Ja, wenn es freiwillig geschieht! Wenn es aber von den Erben gefordert wird, sträubt sich auch unser Gefühl. Das ist unverschämt.
Im Orient ist es sogar eine Unmöglichkeit! Geerbt wird erst nach dem Tod des Vaters. Das heißt also: Für den Sohn ist der Vater schon so gut wie tot! Respekt, gar Liebe für den Vater - alles gleichgültig. Ich will alles- und zwar jetzt! Ich will nicht warten, bis “der Alte abkratzt”. Es geht im Tiefsten nicht um das ihm zustehende Erbe, sondern um zerbrochenes Vertrauen, verlorene Liebe. Die Forderung des Sohnes ruft laut: Du bist mir egal, ich will meinen Anteil. Jetzt! Ich will sein wie du, aber ohne Verbindung zu dir, ohne Bindung an dich!
Andacht zur Jahreslosung
“Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet”, steht über dem neuen Jahr als Losung. Damit setzt die Jahreslosung einen anderen Akzent als die des zuende gehenden Jahres. Keine Aufforderung, keine Handlungsanweisung steht im Zentrum, sondern eine Zusage. Ein anderer handelt. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den Vergleich mit der Mutter - ein bemerkenswerter Zug biblischer Rede von Gott.
Das zuende gehende Jahr steht unter dem Zeichen tiefer Verunsicherung. Was ist das eigentlich, was gerade auf der Welt passiert? Wie wird es weitergehen? Was kommt als nächstes? Es sind alles keine neuen Fragen, das Leben hat sie immer gestellt, nur haben die vergangenen Monate sie in aller Deutlichkeit auf die Tagesordnung gebracht. Hinzu kommt dieses Gefühl der Ohnmacht. Erprobtes scheint zu versagen, die Karten werden neu gemischt.
Angedacht zum 3. Advent
Gott segne euch, die ihr warten könnt! (Wilma Klevinghaus)
Gott segne euch, die ihr warten könnt, und öffne euch seine Türen zu seiner Zeit.
Gott segne euch, die ihr lauschen könnt, und senke in eure Ohren sein gutes Wort.
Gott segne euch, die ihr staunen könnt, und erfülle eure Herzen mit seinem Licht.
Gott segne euch, die ihr lieben könnt, und mache euch zu Feuern in Dunkel und Eis.
Andacht Oktober
Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust (…), dann hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt und du den HERRN, deinen Gott, vergisst, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft (…) Du könntest sonst sagen in deinem Herzen: Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir diesen Reichtum gewonnen. Sondern gedenke an den HERRN, deinen Gott.
Die Bibel hat Weitblick. Das zeigt sie immer wieder bei ihren Geschichten. Manches klingt ganz modern, und ist doch zweieinhalb Jahrtausende alt. Ich habe einen Ausschnitt aus einer Geschichte ausgewählt, die gegen Ende der Wüstenwanderung erzählt wird. Sie ist als Predigtgrundlage im Entwurf der neuen Predigtreihen für das Erntedankfest vorgeschlagen. Kurz vor dem Einzug ins Verheißene Land spricht Gott hier eine Warnung aus. Was hier gesagt wird, erinnerte mich an: „Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein“. Diese Zeit habe ich zwar nicht mehr selber erlebt, aber ich bin nun einmal ein geschichtlich interessierter Mensch. Das ist nun auch schon wieder Vergangenheit. Die Überheblichkeit, die dahinter steht, ist aber noch da, heute mehr denn je. Der Überfluß verdeckt nur, wie abhängig wir von Gott sind. Kürzlich mußte ich lesen, daß sich die Fischbestände in den Weltmeeren in den vergangenen 40 Jahren halbiert haben. Macht nichts, das ist den meisten Medien noch nicht einmal eine Schlagzeile wert. Weiter wie bisher!
Andacht Juni
“Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Am siebenten Tag aber ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun.”
Liebe Gemeinde,
das Jahr geht seiner Höhe entgegen. Bald feiern wir Johannistag, der die Mitte des Jahres und den längsten Tag im Jahreslauf markiert. Ist wirklich schon die Hälfte um? Die “gefühlte Mitte” des Jahres liegt für viele Menschen eher im Juli und August, nämlich in der Zeit des Sommerurlaubs. Das soll Anlass sein, einmal darüber nachzudenken. Auch wenn es den “Urlaub” als solchen in biblischen Zeiten noch nicht gab, zum Verhältnis zwischen Arbeit und freier Zeit hat die Bibel einiges zu sagen.
"Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt."
Liebe Gemeinde,
in diesen Tagen feiern wir Ostern. Die Osterzeit wird uns aber in den kommenden Wochen länger begleiten, auch wenn die Ostereier in den immer grüner werdenden Gärten danach langsam aber sicher verschwinden. Das Fest eröffnet die Osterzeit erst, es ist nicht etwa ihr Abschluss. So gesehen, begleitet uns Ostern über die meiste Zeit dieses Gemeindeblattes. In diesen Zeitraum fällt auch ein denkwürdiger Jahrestag. Vor 70 Jahren endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Das Ereignis passt zur Freude der Osterzeit: Leben ist wieder möglich, die Zeiten der Finsternis sind begrenzt.
Andacht vom Gemeindeblatt Oktober/November 2014
Ehre Gott mit deinen Opfern gern und reichlich, und gib deine Erstlingsgaben, ohne zu geizen.
Es ist Herbst. Kürbisse, Äpfel und Kartoffeln haben Erntesaison. Ich denke an festlich geschmückte Kirchen zum Erntedankfest, an Feiern und große Beteiligung von jung und alt. Diese Gedanken gehen mir durch den Kopf, wenn ich zu dieser Jahreszeit den Monatsspruch lese. „Erstlingsgaben“ sind unsere Äpfel und Kürbisse natürlich nicht mehr. Dieser Begriff passt eher zum Frühjahr, denn er bezieht sich auf die ersten Früchte, die es im Jahr zu ernten und zu essen gibt.
Andacht vom Gemeindeblatt Juni/Juli 2014
Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand; du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.
„…doch wenn ich auf das Ende seh…“
Sicher fällt jedem bei diesen Worten Wilhelm Busch ein. Und was hat er alles gezeichnet!
Anders: warum hat er es gezeichnet? Als geschulter Pädagoge schüttelt man wissend den Kopf – und doch hat es seinen Reiz! Eigentümlich, die Geschichten von Max und Moritz kennt man eben! Wilhelm Busch, übrigens ein Mann, der eigentlich still und zurückgezogen manchmal doch aus der Isolation herausgetreten ist und Gottesdienste gehalten hat, erklärte: „Nur was wir glauben, wissen wir gewiss“. Mag man an seinen pädagogischen Fähigkeiten noch so sehr zweifeln, er wollte nicht vom Ende reden, sondern den Anfang gestalten…
Andacht vom Gemeindeblatt April/Mai 2014
Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.
… ich kann’s einfach nicht glauben. Denn: bin ich traurig, ist es ja gerade so, dass es überall keinen Sinn mehr hat, das Leben keinen Spaß mehr macht, die Leute alle gegen mich sind, und hab ich 50% Chancen auf Gelingen, werde ich gewiss bei den anderen 50% sein!
Vielleicht wäre ein Konjunktiv die Rettung: Eure Trauer sollte verwandelt werden - ja das wär gut! Aber es ist ja leider so unreal. Real ist doch in unseren Augen immer die schlechte Prognose: Die wird sofort geglaubt; und ist sie gar wiederlegt, nicken wir dennoch bedächtig: “Naja, es wird schon was dran sein”, erklären wir dann wissend mit finsterer Miene, “es wird schon was dran sein!”
Predigt vom 02.03.2014
Estomihi Jesaja 58, 1-9
Bestimmt könnte ich wieder mal ein richtig gut passendes Bonhoeffer-Wort zitieren. Wir hätten gezeigt, wir haben Jesaja verstanden, und können dann zum Sonntag übergehen.
Ich frage mich, wen er auf der Zielscheibe hat, wen er ärgern will. Und fühl mich vorsichtshalber erst einmal angegriffen. Ich geh in Verteidigung, und Angriff ist die beste Verteidigung: wer bist du überhaupt…
Oder ich fühle mich nicht angegriffen: Ha, Jesaja, hinter dem Busch sitz ich nicht…